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Die Ehemalige Synagoge als Lernort und Begegnungsstätte (2)
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Das hebräische Wort bedeutet miteinander und ist ein Konzept zur Demokratieerziehung, das in Israel in koedukativer Arbeit mit jüdischen, christlichen und muslimischen Jugendlichen entwickelt und von der Bertelsmann-Stiftung sowie der Universität München an deutsche Verhältnisse angepasst wurde. Der Leitgedanke: Demokratie soll von den Jugendlichen nicht nur als die Umschreibung für ein bestimmtes Staats- und Gesellschaftssystem begriffen, sondern als Verhaltensform verstanden werden, die in den Situationen des Alltags umgesetzt werden kann.
Ein typisch Freudentaler Studientag für junge Leute, erklärt Ludwig Bez, beginnt mit der Lektüre von Originaldokumenten zur Geschichte der örtlichen jüdischen Gemeinde. Diese Textarbeit, für manche Pennäler an sich schon ein Erlebnis, geht an einem signifikanten Punkt in ein Rollenspiel über: örtliche NS-Größen versuchten 1936 eine Beerdigung auf dem jüdischen Friedhof zu verhindern, indem sie dem christlichen Bauern, der den Leichnam seiner jüdischen Nachbarin mit seinem Pferdefuhrwerk auf den Friedhof überführte, Rassenschande vorwarfen. Mit just dieser Situation müssen sich Schüler, die den Ausgang der historisch verbürgten Episode nicht kennen, spielerisch auseinandersetzen. An der eigenen Rollenhypothese ebenso, wie an der historischen Auflösung betreffender Bauer beschied die Nazioberen kühl, er mache mit seinen Pferden was er wolle lernen die Heranwachsenden kennen, was Zivilcourage heißt. Und auch, dass sie einen Preis haben kann: besagte NS-Chargen drohten nach erfolgter Bestattung öffentlich damit, Judenknechte künftig in der lokalen Presse an den Pranger zu stellen.
Ludwig Bez ist von der Wirksamkeit des Betzavta-Konzepts überzeugt und möchte neben Schulklassen künftig auch Gruppierungen aus der beruflichen Bildung verstärkt ins PKC holen, das bereits jetzt mit der Landeszentrale für politische Bildung, dem Kreisjugendring sowie kirchlichen und gewerkschaftlichen Bildungswerken zusammenarbeitet und seine Räume auch der Bildungs- und Fortbildungsarbeit dieser und vergleichbarer Organisationen öffnet. Insgesamt war das Haus im Jahr 2001 an 175 Tagen belegt, 51 Gruppen besuchten Seminare mit Übernachtungen, weitere 48 absolvierten Studientage oder hörten Vorträge. Unter die Rubrik Bildungsarbeit fallen auch eine auf der ehemaligen Frauenempore der Synagoge eingerichtete, ständige Ausstellung sowie Publikationstätigkeiten. Das PKC veröffentlichte unter anderem eine beispielhafte Dokumentation über den jüdischen Friedhof in Freudental und gab die Erinnerungen des Stuttgarter Holocaust-Überlebenden Jan Jakubowski heraus, der wie mehrere andere Zeitzeugen in Freudental regelmäßig vor jungen Leuten spricht.
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© 2008 beim P.K.C. Freudental e.V., Strombergstraße 19, 74392 Freudental
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